Bauernstube Grafenwald


 

In Kürze lesen sie hier, was eine Pilgerbratwurst ist,

was man so auf dem Jakobsweg futtert,

und warum es in der Hohen Heide direkt hinter der Bauernstube

schon vor 10 Jahren Wölfe gab,

und der Auffindung eines unfassbaren Rezeptes auf dem Hof Eulering!

 

 

 

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"Die Pilgerbratwurst"

 

 

Ja wenn wir jetzt von der Pilgerbratwurst sprechen, müssen wir ganz weit zurück auf dem Jakobsweg! Das schönste an so einer Tour ist zweifellos das gute "Baskische Essen"! Ich habe fast immer das Glück gehabt, in Gasthäusern zu Speisen, wo die Küche von Damen "gehobenen Alters" betrieben wurde.

Soll heißen; eine bessere Baskische Küche gab und gibt es nicht.

Bei uns sagt man ja auch, das Oma die beste ist. Das ist in Spanien nicht anders. So saß ich da irgendwo in der Navarra-Region und wartete auf 18.00 Uhr. ( ab da gab es das Pilgermenü für 10,- inkl. Aqua Mineral en Vino Tinto )

Ich hatte aber ein Mordskohldampf und vor mir auf der Theke stand ein Teller voller Frikadellen! ( das das andere Frikadellen waren, als unsere im Ruhrgebiet, erblickte man an den Paprika-Zwiebel Gedöhns was dort in die Masse wohl eingearbeitet war.)

Ich mach es kurz; das waren die besten Frikadellen die ich gegessen habe!

 

Als ich wieder in der Stube war, gab es Pilgerfrikadellen!

( Hackfleisch: 70% Schwein und 30% Rind, Paprika, Schalotten, Knoblauch,

frischen Schnittlauch und Chili. Und eine ordentliche prise Stubengewürz )

 

Knappe 2 Jahre später habe ich mir einen Wurstfüller mit Handkurbel gekauft und seitdem wurste ich so 3-4 mal im Jahr.

Die Pilgerbratwurst besteht aus 100% Schweinefleisch, fetten Bauchspeck, Schalotten, Paprika, Knoblauch, Chili, Schnittlauch und die ganz spezielle Stubengewürzmischung.

 

 

 

 

 

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"Der Jakobsweg"

 

oder besser "Absaufen auf dem Camino"

 

 

 

Au Mann,....wenn ich an den Jakobsweg denke, weiß ich überhaupt nicht

mehr, ob wir 4,5 Wochen in Nordspanien waren oder auf hoher See!

Naja ich glaube 5 Sonnentage hatten wir gehabt, inkl. den Anreisetag selbstverständlich. Das Ritual war jeden Tag dasselbe: Aufstehen, 8.00 Uhr auf dem Camino sein und den ganzen Tag darauf warten, das die Nässe in den Hosenbeinen bis zur Unterhose kroch. Da habe ich dann die Reißleine gezogen; aber wir hatten dann auch zwischen 23-28 km auf dem Buckel und es war so um 16.00 Uhr! Dann wurde schleunigst ein Quatier gesucht und man freute sich wie jeder Mensch auf eine heiße Dusche. Aber wenn so ca.65% der Herbergen auf dem Camino die Heizung ausgeschaltet hatte; ja sogar die Ventile rausgeschraubt haben, dann suchen sie heißes Wasser dort vergebens!

Das Bettzeug, das Zimmer....alles klamm!

Und sie stehen dort mitten drin, am frösteln, durchgefroren und am Ende!

Kommt ja noch besser,.....meist gab es in diesen Dörfern keine zweite Unterkunft und erst Recht kein 5 Sterne Hotel!

Da hätten wir in den nächsten Ort pilgern müssen; nur zu dumm das dieser locker nochmal 8 km entfernt ist! Und darauf hatten wir erst Recht kein Bock. Was blieb der Highlight jeden Tages?

DAS LEIBLICHE WOHL !!!

Ja und da haben wir die besten Storys erlebt.

Also dreht sich fast alles, was ich vom Camino berichten kann ums Essen!

 

 

 Saint Jean Pied de Port, unser Startpunkt in den französischen Pyrenäen!

Ein traumhafter Ort, den wir leider nur am Abend unserer Ankunft kurz

genießen konnten.

Die "Herbergsmutti" unserer ersten Etappe meinte es nur zu gut mit uns

und schenkte reichlich vom köstlichen Bordeaux ein. Ablehnen wäre für Sie

eine Beleidigung gewesen, aber eine ganze Flasche pro Person, war dann wiederum zu viel des guten; was wir am anderen Tag doppelt zu spüren bekamen!

Eigentlich wollten wir unsere erste Etappe direkt über den Ibaneta-Pass pilgern; doch dieser war gesperrt, da es in der Nacht zuvor heftige Schneestürme gab. Die Alternative um die 1057 höhenmeter zum Augustinerkloster in Roncesvalles zu meistern, waren die endlosen Serpentinen der N135.

Das wir für die 38 km am ersten Tag ca. 9 Stunden brauchten, war nicht nur der Bordeaux schuld, sondern das jucken am ganzen Körper!

Wir teilten unser Bett in der Nacht zuvor wohl mit Hunderten von Bettwanzen!

Die erste Etappe riss uns sofort auf dem Boden der Tatsachen zurück, das wir nicht auf einer pauschal-gebuchte Abenteuerreise sind, sondern den Jakobsweg pilgern!

Viel Proviant hatten wir nicht dabei und um 22.00 Uhr schloss das Kloster zur Bettruhe. Wir sind um 21.10 Uhr angekommen und schlichen abgekämpft in ein Restaurant, wo es nur noch kalte Baguettes mit Schinkenspeck gab.

An der Theke des Restaurants tranken die "Einheimischen" fröhlich und gut gelaunt ein rotes Getränk......!

Dieses Getränk verfolgt mich und mein Pilgerbruder Gereon bis heute!

 

 

 

Patxaran!

 

Ein Anis-Schlehen Likör der seit dem Mittelalter in Navarra weit verbreitet ist. Der Name leitet sich von "Basaran" ab, einem baskischen Wort für "Schlehe". Der Likör ist heute in ganz Spanien bekannt und erhältlich, Hauptverbreitungsgebiet bleibt aber Navarra, das Baskenland und Aragonien! 

Im Jahre 1441 soll die erkrankte Königin Blanka von Navarra im Kloster Santa Maria de Nieva den Likör als Medizin zu sich genommen haben.

 

Um den Patxaran aus Navarra nach seiner stärkeren Verbreitung vor Nachahmerprodukten minderer Qualität zu schützen, wurde im Jahre 1988 die Aufsichtsbehörde zur Patxaran-Herstellung der Consejo Regulador del Pacharán Navarro und das Güte- und Herkunftssiegel Denominación de Origen del Pacharán eingerichtet.

 

Für Pilgerbrüder aus der ganzen Welt habe ich immer einen guten Patxaran im Hause! Bitte legen Sie dafür ihren "Credencial del Peregrino" (Pilgerausweis)

auf die Stubentheke!

Am Morgen danach fing das Unheil dann an, was unserer ständiger Wegbegleiter werden sollte:"Iluvia!" ( zu deutsch: Regen )

Ich weiß auch bis heute nicht, warum uns so eine Prüfung auferlegt wurde.

Im Augustinerkloster wurden wir in der Nacht so ca. jede Stunde von einer Frau aus Stuttgart geweckt, weil wir "angeblich" geschnarcht hätten.

Das lag dann wohl am Patxaran...........!

 

Die zweite Etappe führte uns nach Zubiri.

Der Weg führt durch das von Ernest Hemmingway in seinem Roman Fiesta erwähnte Dörfchen Burguete, weiter nach Espinal, Bizkarreta-Gerendiain, Lintzoain und hinauf zum 801 Meter hohen Erro-Pass, auf dem die etwa zwei Meter große Steinplatte die Schrittlänge des Helden Roland vermessen haben soll.

 

Völlig durchnässt bezogen wir Quatier in einem komfortablen kleinen Haus direkt an der Brücke mit den zwei gotischen Bögen. Über diese "Tollwut- Brücke" muß jeder Pilger, um in den Ort zu kommen.

( Man muss nach altem Glauben sein Vieh drei Mal um den mittleren Pfeiler herum treiben, um es von der Tollwut zu befreien. Der Grund für diese Heilkraft soll in den Reliquien liegen, die im Mittelpfeiler verbaut sind. )

 

Am Tag darauf, folgte dann der erste Highlight unserer Pilgerreise:

Wir machten uns auf den Weg nach Pamplona!

 

 

Pamplona - im Herzen des Baskenlandes!

 

 

Die Sanfermines (Baskisch Sanferminak) werden seit 1591 alljährlich in Pamplona vom 6. bis zum 14. Juli gefeiert. Im Mittelpunkt steht hier der Encierro, der weltweit bekannte Stierlauf.

 

Die Sanfermines werden zu Ehren des Heiligen Firmin des Älteren gefeiert, eines Sohns der Stadt, der um das dritte Jahrhundert n. Chr. die Gegend um das französische Amiens missionierte. Kurioserweise ist San Fermín weder der Schutzheilige von Pamplona (das ist Saturninus von Toulouse) noch der Region Navarra (diese Ehre kommt Franz Xaver zu). Nicht einmal das Datum der Festlichkeiten fällt auf den ursprünglichen Gedenktag des Heiligen am 10. Oktober: Im Jahr 1591 entschied man in Pamplona, das Fest, das schon seit 1324 gefeiert wurde, wegen des schlechten Wetters im Oktober auf den 7. Juli zu verlegen.

Die Art der Festlichkeiten wurzelt in den mittelalterlichen Jahrmärkten (ferias) und in den Stierkämpfen (corridas de toros). Damals wurden die Stiere von Hirten zur Plaza de Toros in die Stadt getrieben. Der spanische Stierkampf ist das letzte Relikt jenes vorzeitlichen Rituals, das in aller Regel die Tötung eines Stieres in den Mittelpunkt der Handlung stellt.

 

Der chupinazo (baskisch: txupinazo) ist der offizielle Beginn der Sanfermines. Am 6. Juli versammeln sich abertausende Festgäste vor dem Rathaus in dichtem Gedränge, um dort den Startschuss der kleinen Rakete (cohete) um Schlag 12 Uhr zu erwarten und zu feiern. Eine örtliche Persönlichkeit wird auserkoren, um diese Rakete zu zünden und danach mit dem Spruch Viva San Fermín, Gora San Fermin („Lang lebe San Fermín“ auf Spanisch und Baskisch) die Festwoche offiziell auszurufen. Das Tragen der roten Halstücher, Teil der typischen Kleidung, ist vor Beginn der Fiesta eher unüblich. Die typische Bekleidung ist eine weiße Hose und ein weißes Hemd oder eine Bluse. Das rote Halstuch wird vor Beginn der Fiesta am Handgelenk getragen. Ist das Fest einmal eröffnet, wird es um den Hals getragen.

 

 

Fiesta ist der erste größere Roman von Ernest Hemingway, der 1926 unter dem englischen Titel The Sun Also Rises erschien und ihn berühmt machte. Der Roman geht auf Erlebnisse Hemingways im Schriftstellermilieu im Paris der 1920er Jahre und im spanischen Pamplona des Jahres 1924 zurück. Hemingway nahm damals an den Stierläufen der Fiesta San Fermin in Pamplona teil. Die Arbeit an dem Roman begann Hemingway Ende Juli 1925 in Valencia, setzte sie im August in Madrid, San Sebastian und Hendaye fort und schloss den ersten Entwurf des Manuskripts am 6. September in Paris ab. Im folgenden Winter nahm er im österreichischen Montafon-Tal umfassende Überarbeitungen und Kürzungen vor, ehe er das Manuskript im April 1926 an Maxwell Perkins vom Scribner-Verlag/New York sandte.

Auch heute noch zählt Fiesta zu den bedeutenderen Werken Hemingways. 1998 wurde der Roman von der Modern Library in der Liste der 100 besten englischsprachigen Romane auf Platz 45 gelistet.

 

Soviel zum Thema Kultur und Geschichte dieser wunderschönen Stadt.

 

Als großer Fan der Baskischen Küche kommen nun meine persönlichen

Highlights des Aufenthalts:

Wir kamen um 15.00 Uhr ausgehungert in Pamplona an und

gingen um 0.30 Uhr als Hafermastgänse zu Bett....so könnte

man unseren Aufenthalt dort wohl am besten beschreiben!

Zwei Schotten, ein Waliser, drei junge Damen aus Italien, ein Ehepaar aus Australien und mittendrin zwei Kerle aus dem wunderschönen Grafenwald!

Buen Camino,......wir waren mittendrin, statt nur dabei.

Der Weg war das Ziel, deshalb machten wir uns Tag`s darauf auf nach:

 

 

"Puente de la Reina"

 

 

Wenn man von absoluter Ruhe, Entspannung, völlig mit sich im reinem sein spricht; dann kann das nur einer mitfühlen, der schon mal auf dem Jakobsweg gepilgert ist! Die endlosen Landschaften die man durchläuft, dabei in jeder Sekunde mit seiner Selbstreflektion beschäftigt ist, das automatisch im Kindesalter beginnt.....das kommt von ganz allein! Da kommen sie gar nicht drumherrum. Das folgende Bild, ist eines meiner Lieblingsbilder vom Camino.

Wir hatten (man sollte es nicht glauben), bei unserem "Ausmarsch" aus Pamplona, optimale Bedingungen, was das Wetter betraf!

Ich stehe mitten auf dem Weg und halte den geilsten Moment des Tages, oder gar der Woche fest:

 

 

 

Im Hintergrund die Baskischen Pyrenäen, die wir schon von Frankreich nach Spanien überquert haben und die uns in den ersten drei Tagen nicht nur Kraft, Power und die ersten Blasen gekostet hatten, sondern auch so viele tolle Momente. Die Gastfreundschaft der Basken und deren Lebensart, ist das beeindruckenste was ich bis dato kennengelernt habe. Von der Küche ganz zu schweigen! Wie im Schlaraffenland für mich.

Vor den Bergen liegt Pamplona! Links im Bild, (auf der Anhöhe) ein Kloster, wo uns die Mönche was von ihrem selbstgebrauten Bier überließen samt hausgemachtem Patxaran! Eigentlich baten wir nur um etwas Wasser, weil noch 12 km ohne Dorf, ohne Tankstelle, ohne Kiosk, ohne Supermarkt und ohne Brunnen!!! auf uns wartete.
 

 

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Und kurz bevor wir unser Tagesziel erreicht hatten, kam dann er:

Der Weinbrunnen von Irache!!!
 

 

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Das Kloster Irache dürfte zu den ältesten Navarras gehören und war wohl ursprünglich ein westgotisches Zönobium. Nach der Rückeroberung des Gebietes im Jahr 914 durch Sancho I. Garces, König von Navarra, wurde es von Cluniazensern zum geistigen und geistlichen Bollwerk der Reconquista geformt.

958 wurde Irache erstmals urkundlich als Abtei der Benediktiner erwähnt. 1054 – also vor der Gründung Estellas und selbst vor Einrichtung der Herberge von Roncevalles – wurde hier auf Anordnung Garcia.III.Ramirez von Najera ein Pilgerhospiz eingerichtet. Das Kloster spielte eine wichtige Rolle für die zahlreich einkehrenden Pilger, die wiederum eine wichtige Grundlage für das Aufblühen und das wirtschaftliche Wohlergehen der Abtei bildeten.

In diese Zeit fiel auch die Amtszeit des bekanntesten Abtes von Irache: der später heiliggesprochene und zum Patron des Klosters erhobene San Veremundo aus dem nahegelegenen Villatuerta. Er führte das Kloster von 1056 bis 1093, das in dieser Zeit seinen größten Glanz erreichte und mit seiner Pilgerherberge zum unverzichtbaren Etappenziel aller Jakobspilger wurde. Die Bedeutung des Klosters in seiner Zeit ist denn auch vor dem Hintergrund der territorialen Erweiterung des navarrischen Königreichs und der Lage an einem Hauptverkehrsweg zur Zeit der aufblühenden Jakobswahlfahrt zu betrachten.

Ab dem 14. Jahrhundert setzte ein allmählicher Niedergang ein, der 1522 durch den Anschluss an das Benediktiner-Kloster von Valladolid aufgehalten wurde. Von 1534 bis 1824 gab es hier eine Universität, die die Aufgabe hatte, die unbefleckte Empfängnis Marias zu verteidigen. Mit der Schließung des Klosters wurde sie nach Sahagun verlegt.

Zurzeit wird in einem Teil der früheren Klostergebäude das navarrische Volkskunde-Museum Museo Etnológico de Navarra „Julio Caro Baroja“ eingerichtet. Darüber hinaus sollen andere Teilbereiche zu einem Parador-Hotel umgewandelt werden.

 

 

- Fortsetzung folgt -